World Scout Moot 2017 – Die Kraft der Gemeinschaft

Wo warst du letzte Woche? – In Island! – Wow, voll cool! Das soll ja voll das schöne Land sein. – Ja, ist es auch. Aber eigentlich ist das Land total zweitrangig. Ich war auf einem internationalen Pfadfinderlager. Das war einfach unbeschreiblich!

Das World Scout Moot ist ein Lager, dass von der Weltpfadfinderorganisation (WOSM) ausgetragen wird. Es findet alle vier Jahre statt und ist für 18 – 25 jährige. Ich war dieses Jahr beim 15. World Scout Moot auf Island dabei. Es waren acht Tage voller neuer Leute, guter Gespräche, viel Spaß und am Ende Freunden aus der ganzen Welt.

Das Ganze fing eigentlich schon im April an. Da haben wir unsere Expedition Center und Patrols eingeteilt. Ein Patrol bestand immer aus zehn Personen aus den unterschiedlichsten Ländern. In meinem Patrol waren ein Schweizer, ein Kanadier, zwei aus Großbritannien, ein Italiener, zwei Portugiesen und zwei Australier. Als ich das gelesen habe, hatte ich als erstes Angst vor so vielen englisch Muttersprachlern, dass ich die ganze Zeit nichts verstehe. Aber da sie alle sehr respektvolle Menschen sind, haben sie sich Mühe gegeben langsam zu sprechen und dann war das kein Problem. Was soll man nun im April mit seinem Patrol, wenn das Lager erst im Juli ist? Wir mussten zusammen unser Programm wählen. Die ersten vier Tage waren wir im Expedition Center auf auf der Insel Vestmanneyar. Dort waren ungefähr 400 Pfadfinder. Im Patrol hatten wir von dort aus verschiedene Programmpunkte, wie eine Vulkanwanderung, eine Stadtbesichtigung, wir haben Lagerbauten gemacht und Gras als Erosionsschutz auf einen Vulkan gesät. Es gab noch viel mehr Auswahl. Was wir gerne machen wollen, haben wir vorher über Facebook geklärt.

Schritt zwei war die Anreise. Schon in Frankfurt am Flughafen habe ich Pfadfinder aus Australien, Brasilien und Uruguay getroffen. Im Flugzeug saß ein taiwanesischer Pfadfinder neben mir. Wir sind nachts um 1 Uhr gelandet und jeder hatte einen anderen Plan für die Nacht. So trennten sich unsere Wege in Reykjavik wieder. Ich hatte dann einen Tag, an dem ich mir Reykjavik angeschaut habe und früh ins Bett gegangen bin, bevor es richtig losging. Dann, am 25.07. um 10 Uhr war endlich der offizielle Start: Die Opening Ceremony! Mit 5.000 Teilnehmern, 600 Helfern und rund 100 Organisatoren in einer großen Sporthalle in Reykjavik zeigte sich das erste Mal die Größe dieser Veranstaltung. Herausforderung Nummer 1: Meinen Rucksack in den richtigen Container für mein Expedition Center verfrachten. Herausforderung Nummer 2: Mein Patrol finden. Einen davon habe ich schon beim Rucksack abgeben getroffen. Für den Rest gab zum Glück dann Schilder in der Halle. Herausforderung Nummer 3: Sich kennen lernen. Starte mal eine Unterhaltung mit neun völlig fremden Menschen… Einer machte ein erstes Gruppenselfie. In dem Moment fand ich das total komisch. Doch später wurde Filipe unser Gruppenfotograf. Und der, den ich beim Rucksack abgeben getroffen habe wurde zu Dominik, meinem Zeltnachbar.

Schon als wir nach der Opening Ceremony in den Bus stiegen um zum Expedition Center zu fahren, kannten wir unsere Namen. Beim nächsten Selfie auf der Fähre, war es schon viel weniger komisch. Wir kamen am Zeltplatz an und bauten unsere Zelte auf. Da es unglaublich windig war (der Zeltplatz ist auch nur ungefähr 2 km vom windigsten Punkt Europas entfernt) konnten wir die Küchenzelte noch nicht aufbauen. Die Küchenausstattung für unseren Tribe bekamen wir dann am nächsten Tag. Ein Tribe sind immer vier Patrols zusammen. Wir haben uns ein Stück Zeltplatz geteilt und zusammen gekocht und gegessen. In den vier Tagen haben wir als Patrol viel zusammen erlebt. Die Aktionen haben uns zusammengeschweißt. Wir haben beim Wandern, Bauen, Kochen, Schwimmen und den alltäglichen Absprachen unsere Stärken und Schwächen kennen gelernt. Das Schöne an Pfadfindern ist: Niemand wurde für eine Schwäche schlecht angesehen. Jeder konnte sich einbringen. Und als Gruppe sind wir immer weitergekommen. Wir haben es geschafft, dass sich alle wohlgefühlt haben, jeder sich einbringen konnte und das ganz ohne Streit.

Nach diesen vier sehr intensiven Tagen sind wir dann auf den Großzeltplatz nach Úlfljótsvatn. Dort warteten 5.000 andere Pfadfinder und wenigstens 50.000 Fliegen auf uns. Doch die Fliegen, die uns bei unserer Ankunft begrüßten sind schnell verschwunden. Ob sie vor uns geflohen sind oder ausversehen alle gegessen wurden, werden wir wohl nie wissen. Wieder traf sich die riesige Gruppe Pfadfinder vor einer Bühne. Am Nachmittag war „International Day“. Da hat sich jedes der 94 verschiedenen Länder vorgestellt. Zum Abendessen hatten wir alle keinen Hunger. Schließlich haben wir uns vorher durch die ganze Welt probiert. Eine besondere Erfahrung war für mich das Tanzen mit den Libanesen. Und als Deutsche finde ich es immer wieder erstaunlich, mit welchem Stolz andere Menschen von ihrem eigenen Land und ihrer Kultur erzählen. An den folgenden drei Tagen gab es diverse Workshops. Da wir uns als Patrol sehr gut verstanden haben, haben wir fast alle Aktionen zusammen gemacht. Zwischen Diskussionen über den Sinn des Lebens, Henna-Tatoos und Hüpfburgen gab es alle mögliche. Das eigentlich entscheidende dabei waren jedoch die Gespräche zwischendurch. Und dann kam schon der letzte Tag. Viel zu schnell war es Zeit für den Abschied.

Zur Closing Ceremony gab es große Reden über das Thema des Lagers: „Change“. Dieses Lager hat mich verändert! Es mag übertrieben klingen, bei einem Lager von acht Tagen. Aber die Begegnungen und Gespräche haben mich bereichert. Ich habe erlebt, wie ich Freunde am anderen Ende der Welt finden kann. Und es ist ein großartiges Gefühl, Teil dieser offenen, respektvollen, lebensfrohen Gemeinschaft zu sein! Wenn ich an das Ende des Lagers denke, fühle ich immer noch Schmetterlinge im Bauch. Ich bin überzeugt, dass an dem Motto „Together we can CHANGE the world“ etwas Wahres dran ist. Es ist wundervoll ein kleines bisschen an einer besseren Welt mitzuwirken und zu wissen: Es gibt viele tausend Menschen auf der Welt, die das auch tun und gemeinsam können wir wirklich die Welt zu einem friedlicheren Ort machen.

Mein Aufruf an alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die das lesen: Fahrt mal zu einer internationalen Begegnung! Das lohnt sich! Und an alle Noch-Nicht-Pfadfinder: Pfadfinder werden bedeutet nicht nur durch den Wald zu laufen oder jede Woche eine Gruppenstunde zu machen, sondern Teil einer weltweiten Bewegung zu sein, in der Gerechtigkeit und Toleranz gelebt wird!

Thank you to my Patrol for this great time and good experience! Sorry, that this article is in German, but I wrote only the best about you. J Special thanks to Filipe, Dominik and David for the picture of this article.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.